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Bei einem dieser Ausflüge, und ich schwöre, ich war genau so vorsichtig wie sonst auch immer, war ich auf dem Heimweg von einem etwas abgelegenem Laden, weil alle anderen geschlossen hatten. Vermutlich für längere Zeit. Dann musste ich auch noch lange im Halbdunkel warten, bis der letzte Kunde von der Durchreiche entschwunden war und ich Gewissheit hatte, dass er auch tatsächlich weg war. Gestunken hat er, ganz wiederlich, konnte es über die Entfernung riechen. Mein Geruch ist mit Sicherheit nicht der Beste, denn schon länger blieb mir die Möglichkeit verwehrt, meine Kleidung mit Wasser zu reinigen. Das lief schon länger nicht mehr und zum Waschen wollte ich das Haus bestimmt nicht verlassen, dass wäre mir viel zu gefährlich.
Aber dieser Typ gerade, der stank anders. Irgendwie süßlich, aber nicht gut süßlich, sondern schlecht süßlich, so, dass mir bestimmt Überlkeit gebracht hätte, wäre ich näher dran gewesen. Ein Wunder das der Händler das Ganze ausgehalten hatte. Und Gehustet hat er. Ganz schlimm. Ich werde nur etwas von ganz hinten aus dem Laden kaufen können, alles andere ist mir Sicherheit schon versaut worden. Wenn der Händler weit in den Laden reingehen müsste, würde er auch nicht ganz so lange Zeit haben mich zu mustern.
Ich weiß nicht warum mir das wichtig ist, aber ich will nicht das die Menschen mich ansehen. Wer weiß, was sie in meinem Gesicht lesen würden. In meinen Augen. Ich fürchte mich von ihnen, dass würden sie mit Sicherheit merken. Riechen. Die Furcht vor den Kranken tropft mir förmlich aus jeder Pore. Sie ist der Grund dafür, dass ich das Haus nur noch selten verlasse, mich im Dunkel an den Wänden entlangdrücke, um Niemandem aufzufallen. Sie ist der Grund dafür, dass ich die meiste Zeit in der Wohnung mit dem Rücken an der Wand stehe und vorsichtig, den Kopf nach links geneigt, aus dem Fenster sehe. Immer nur aus dem Fenster. Ob jemand vorbeiläuft oder nicht. Und sie sollte auch der Grund dafür sein, dass dieses mein letzter Ausflug in die Welt da Draußen war.
Langsam näherte ich mich der Durchreiche. Der Geruch, der Gestank, war noch nicht verflogen und ich schlug mir ein Stück Schal vor den Mund und versuchte ganz langsam und konntrolliert durch eben diesen zu atmen.
“Hm!”, machte der Händler als er mich erblickte. Er machte ebenfalls nicht den gesündesten Eindruck. Mein Blick fiel auf seine Hände, die rotbraun von irgendwelchen Lumpen umwickelt wurden. Schwarze Haare lugten unter den Lumpen, die als eine Art Bandage dienten hervor und machten den Anblick noch unangenehmer. Mit diesen Schmierfingern, die von Krankheit gezeichnet waren wollte er doch nicht etwa die Waren anfassen, welche ich beabsichtigte zu kaufen?
Ehe ich mir darüber weiter Gedanken machen konnte, merkte ich, dass er merkte, dass ich ihn anstarrte. Hastig sah ich ihm ins Gesicht, als ob es das besser gemacht hätte, und sagte “Sind die Töfften da hinten noch frisch?”
“Hm.” Wieder dieses Grunzen, sofort fürchtete ich mich mit irgendetwas angestecket zu haben, “Ja, die” er brach ab um fürchterlich zu Husten, ein ganzer Schwall Töpfchen seines Sputums besprenkelte mich und ich wich mit einem nicht ganz unterdrücktem Schrei zurück. Der Händler Hustete schrecklich und schlug dabei auf die Platte der Durchreiche, den Kopf jetzt nach unten haltend, hustete er so stark, dass ich fürchtete er würde sich erbrechen. Immer wieder schlug er auf die Platte, geschüttelt von den Krämpfen die seine Bronchien ihm verursachten und röchelte um zwischendurch an Luft zu kommen. Er ging in die Kniee, sich immer noch mit der Linken am Tresen halten und erbrach sich nun tatsächlich. Sehen konnte ich es nicht, aber die Geräusche waren eindeutig und als ich das Platschen hörte, wusste ich das es sein Mageninhalt war, der dort auf dem Boden des Ladens seine letzte Ruhe fand. Vielleicht sogar noch mehr.
Ich machte auf dem Absatz kehrt und rannte zurück. Meine übliche Vorsicht außer acht lassend, wollte ich nur diesem Ort entgehen, an dem es nach süßer Fäule roch, und wo mich Wirte mit ihren Körpersäften besudeln.
Den Weg vom Laden zurück, die Straße rauf. Vorbei an einzelnen Bäumen, die ebenso krank aussahen wie dei Menschen hier. Erst als ich an der Stadtmauer ankam hielt ich an. Heftig Schnaufend, meine Verfassung ist auch nicht die Beste, obwohl das wohl eher an meiner Kondition lag. Mit einer Hand stützte ich mich an der Mauer ab und wartete bis sich mein Atem langsam beruhigte. Dann fielen mir gleichzeitig zwei Sachen auf, erstens, spürte ich noch immer den Schleim des Alten auf Meinem Gesicht und meinen Händen und zweitens war ich sehr unvorsichtig gewesen. Musste mein Ächzen doch über Meilen zu höhren sein. Angewiedert wischte ich mir mir einem Ärmel durchs Gesicht. Ich spuckte in meine Hände und versuchte damit die gefühlten Reste abzureiben, als ob es was nützen würde. Dann zwang ich mich zur Ruhe, als ob es was nützen würde und ging langsam die Mauer entlang, in Richtung des westlichen Tores. Immer wieder umblickend, ob sich mir nicht doch irgedwer aus dem Dunkel näherte, oder dieser schreckliche Alte mir gefolgt wäre um mich zu bestrafen, weil ich ihm nicht geholfen habe.
Ohne, dass sich eine Bestie auf mich stürzte erreichte ich das Tor. Es war niemand zu sehen, also konnte ich klammheimlich im Schein einer letzten Laterne in die Stadt eindringen, auf dem Weg zu meiner Wohnung. Wenn ich doch nur schon dort wäre.
Ich wand mich ostwärts, durch den äußeren Ring. Darauf auchtend im Schatten zu bleiben. Es brannte zwar kaum ein Licht in der Stadt, aber ich konnte es mir nicht leisten auf den letzten Metern entdeckt zu werden. Langsam bog ich nach links, in Richtung Marktplatz, in dessen Nähe meine Bescheidene Behausung lag, als sich aus einer Seitenstraße ein Wesen wie aus dem Nichts erhob. Krächzend und mit wild fuchtelnden, viel zu langen Armen bewegte es sich auf mich zu. Der überlange Schnabel des Wesens, stieß schreckliche Laute hervor, ein Schreien, ein Röcheln ein Krächzen! Alles zusammen irgendwie. Vor Schreck war ich wie gelähmt und konnte nicht schreien, nicht zurückweichen. Da bäumte sich das schwarze Wesen zu seiner vollen Größe auf und fiel vor meine Füße.
Die Arme zuckten und die Geräusche hörten sich schlimmer und qualvoller an, als noch zuvor. Der Schnabel der Kreatur war durch den Sturz in einem unnatürlichen Winkel abgeknickt, wenn es überhaupt etwas natürliches daran gab.
Das Wesen rührte sich nicht mehr. Es sind seit seinem Auftauchen nur Sekunden vergangen und jetzt lag es scheinbar regungslos vor mir auf dem Boden. Meine Starre hatte ich noch nicht ganz überwunden, da machte ich einen kleinen Schritt auf das Wesen zu. Im fahlen Licht, der wenigen Laternen konnte ich erkennen, dass es ein Mensch war, der vor mir dort auf dem Boden verendet ist. Der “Schnabel” gehörte zu einer Maske, welcher dieser Mann vor seinem Gesicht trug, durch den Sturz ist sie abgefallen und gab im Halbdunkel den Blick auf sein Gesicht preis, welches noch halb unter einer Kapuze verborgen lag. Die unnatürlich langen Arme, waren einfach nur die langen Ärmel seines Mantels, die mich so erschrocken hatten. Ich trat noch einen kleinen Schritt heran. Lauschend, aber ich hörte nichts mehr, nicht das leiseste Geräusch. Mein Blick fiel wieder auf das Gesicht, diesmal sah ich genauer hin. Die Augen waren weit aufgerissen und wie von innen nach außen gedrückt und der Unterkiefer, sowie Teile um die Nase herum waren schwarz.
Das war zuviel für mich. Ich konnte nur noch schreien. Laut und schrill. Kreischend, lief ich seitlich an dem Mann vorbei, die letzten Meter bis zu meiner Haustüre. Ich hastete herein und warf die Tür ins Schloss, wissend, das ich sie nie wieder öffnen werde.