Attack of the Nazi Spiders
Erster Pestzyklus

021

Nun war mir wirklich alles klar und als ich die letzten Meter zurücklegte, stahlen sich Tränen der Erleichterung in meine Augen. All das Quälen und all die Furcht hatten sich bezahlt gemacht und waren jetzt vorbei. Der Grund, warum ich die Kraft besaß, von meinem Boden aufzustehen und mich aus meinem selbst geschaufelten Grabe zu befreien, der Grund dafür, dass ich nicht dem Wahn anheim gefallen war, in all der Dunkelheit, die ich durchschritten hatte, mit all ihren Schrecken, war nun vor mir. Sie war nun vor mir.

Mit wallenden Haaren kam sie auf mich zu, ihre Hände ebenfalls erhoben, mich zu umarmen. Eine Umarmung, welche ihr süßer Duft mir schon zu lang Versprach. Dieses zauberhafte Wesen, dass mich nun erretten würde, an einem Feuer, welches keine Leichenteile verzehrt, wärmen würde. Ihr könnte ich von all den Dingen berichten, welche mir widerfahren waren, sie würde zuhören, denn sie war es schließlich, welche mich geleitet hatte. Nur ihr hatte ich zu verdanken, dass ich immer noch lebte.

Auch meine Hände waren erhoben, um sie nun endlich an mich zu drücken. Ihre Zähne gruben sich in meine Stirn und ihr Biss war so kräftig, dass sie die Haut direkt durchschlagen hatte und von dem Schädelknochen gestoppt wurde. Der Unterkiefer hakte sich in die obere Begrenzung, meiner linken Augenhöhle. Ihr Kopf ruckte nach hinten und ihr kräftiger Kiefer riss mir das Fleisch um die Braue vom Kopf. Blut schoss mir ins Auge und lief warm über mein Gesicht. Hinter diesem roten Schleier konnte ich ihr Gesicht entdecken, es war schön und der Mund verschmiert. In ihren Augen, lag etwas, was ich nicht ergründen konnte und als ich die Augen schließen wollte, konnte ich durch das linke immer noch sehen. Mein Lied fehlte.

Der Schmerz machte meine Arme schwach und meine Glieder schwer, konnte ich sie nicht mehr halten und meine Hände schlugen an meine Hüfte. Die Beine drohten mir zu versagen, als hätte diese Pein einen Hebel in mir umgelegt, welcher mir meine Kräfte raubte. Noch immer sah sie mich mit ihren unergründlichen Augen an, ihr langes Haar, das im Wind wehte und dieser Duft, der jetzt metallisch war, so stark blutete ich.

Ihre Arme gaben mich frei und ich fiel hart auf den Rücken. Meine Hände mit denen ich mich stützen wollte, gehorchten mir genauso wenig, wie die Beine, die mich aufrecht halten sollten. Durch den Schlag in den Rücken wurde mir die Luft aus den Lungen gepresst. Als ich gierig versuchte, wieder einzuatmen, verschluckte ich mich an meinem eigenem Blut und hustete stark. Sobald ich wieder normal atmen konnte, sah ich, dass sie, sich umgedreht hatte und schon wieder auf halben Wege, zurück in den Schatten der Bäume war. Ich wollte ihr noch etwas hinterher rufen, doch es kam nur ein würgendes Sprudeln heraus.  Noch nicht einmal meine Hand konnte ich ihr recken, mein Körper war wie gelähmt, so als hätte ihr Biss, mir wütendes Gift in die Adern geschickt, um mich am Boden zu halten.

Nur Husten und Krächzen waren die Laute die ich von mir gab, wollte ich ihr doch zurufen, dass ich noch hier war, dass sie mich vergessen hatte. Den Weg hatte ich überwunden, der Krankheit hatte ich als Einziger getrotzt, nur um sie zu erreichen. In ihrer Nähe zu sein. Ich wollte ihr sagen, dass ich übermenschliches geleistet hatte und mich meiner Angst gestellt hatte, nicht ihr Opfer wurde und sie schließlich bezwingen konnte, doch, sie war schon zwischen den Bäumen verschwunden. Ein letzter Blick fiel auf ihre wunderschönen langen Haare, bis auch diese nicht mehr zu sehen waren. Der Schnee, ließ sich sanft auf meinem Körper nieder, so sanft, wie die Kälte, die in mir heraufstieg, wie die Schwere in meinen Gliedern, die mich am Boden hielt, so als wolle sie mir zuflüstern, dass jetzt alles gut werden würde, war ich doch schließlich soweit gekommen. So lag ich da, dass eine Auge geschlossen, dass andere durch einen roten Schleier verdeckt. Unfähig den Kopf zu wenden, als sich ein bekanntes Knurren hinter mir, langsam näherte.

Ende

Erster Pestzyklus

019

Lange noch lauschte ich diesem Knurren. Der Wind spielte mir keinen Streich, dessen war ich mir sicher. Dieses Ding, welches ich glaubte, in der Stadt gelassen zu haben, war mir unbemerkt gefolgt, bis zu meinem Lagerplatz. Auf dem kalten Erdboden, unter einem Leichenkarren versteckt. Die Leichen selbst, zum Schutz vor dem wütendem Wind, auf den Boden gelegt, so, dass unter dem Wagen eine Höhle entstand. Einen letzten Körper hatte ich vor den Eingang gezogen, nachdem ich selbst hineingekrochen war. So gut es in der Enge ging, bereitete ich mir mein Nachtlager, doch schlafen wollte ich nicht. Zu groß war die Angst, trotz der Kleidung die ich trug, im Schlaf zu erfrieren. Doch Ruhen wollte ich, ein bescheidenes Nachtmahl zu mir nehmen und Ruhen. Auf den kommenden Morgen warten, um meinen Weg ins nächste Dorf fortzusetzen, in der Hoffnung dort Menschen zu treffen, denen ich von den Dingen berichten konnte, welche mir widerfahren waren.

Es ist schon seltsam, denn noch vor wenigen Tagen, habe ich meine Mitmenschen und ihr Gehabe entschieden abgelehnt, und versucht ihnen so gut wie möglich aus dem Wege zu gehen, bis zu dem Punkt, an dem ich aus Furcht vor ihnen, noch nicht einmal mehr meine Wohnung verlassen hatte, was mir fast den Tod gebracht hätte. Doch jetzt wünschte ich mir nichts mehr, als ein wenig Normalität. Leiden konnte ich die Menschen immer noch nicht, aber es war einfacher, wenn man wusste, dass man trotz Allem nicht allein ist. Zwar würde ich, falls ich das Dorf erreiche, nicht bei der ersten Gestalt, welche mir begegnen sollte, freudeschreiend entgegen rennen, doch nachdem ich mir sicher wäre, dass sie weder krank, noch, sonst in irgendeiner Form sonderbar wären, mich ihnen zeigen und um Aufnahme bitten.

So hing ich in der Kälte, welche nun nicht angenehm, doch erträglich war, meinen Gedanken an den Rest des Weges nach. Der Wind war allgegenwärtig und pfiff um mein Fort aus toten Körpern. Die Geräusche waren mir bekannt, bis man leise, einen anderen Ton, aus dem Blasen und Pfeifen heraushören konnte. Ein Kratzen, am Holz des Wagens, welches klang, als würde eine eiserne Faust die Balken prüfen, aus denen der Karren gemacht wurde. Ich bildete mir ein, seltsame Schritte, durch das Heulen hören zu können, bis mich das Knurren erreichte. Jenes tiefe Grollen, erfüllt von Verlangen, welches mich schon im Keller des Wirtshauses in Angst versetzt hatte.

Das kalte Stück Brot, welches ich noch immer in Händen hielt, umklammerte ich in meiner Furcht, als wäre es eine Waffe mit der ich mich gegen das Wesen im Winde zur Wehr setzten konnte. Noch hatte ich es nicht sehen können, immer nur Schatten und Geräusche, die mich verfolgten, doch jetzt stand es eindeutig, draußen in der Nacht und witterte mich. Es wusste das ich mich unter dem Wagen befand. Wehrlose Beute. Das Grollen kam von links, mal von rechts, dann wieder das Kratzen am Holz. Es umrundete den Wagen und suchte nach einem Zugang zu mir, damit es mich nun endlich bekommen würde. Lange schon folgte es mir, und es war das Warten leid, dessen war ich mir nun sicher.

So wie ich dort lag, jede Faser meines Körpers gespannt, lauschend auf die Dinge von draußen, musste ich, trotz meiner Angst eingeschlafen sein. Mein Körper war von den vorhergegangenen Strapazen so erschöpft, dass selbst das Adrenalin mich nicht mehr wach halten konnte. Um so verwunderter war ich, als ich die Augen aufschlug, und Helligkeit zu mir hereindrang. Durch die Ritzen, zwischen den Leichen, durch die noch in der Nacht der Wind herein pfiff, schien nun die Sonne. Der Wind hatte sich gelegt, und mit ihm auch die Geräusche, die von draußen zu mir drangen. Kein Knurren und Grollen war zu vernehmen, trotzdem lauschte ich auf den kleinsten Ton, welcher meinen Verdacht bestätigen würde, doch da war nichts. Um keinen Lärm zu verursachen, kroch ich langsam auf eine dieser Spalte zu. Viel konnte ich nicht erkennen, bis auf die weiße Landschaft und tatsächlich, Sonnenschein. Mir war, als hätte ich die Sonne schon ewig nicht mehr zu Gesicht bekommen!

Nun war es vorbei mit der Vorsicht. Keine albtraumhafte Bestie, konnte es wagen, im schönsten Sonnenglanz auf mich zu warten. Mit Dank, dass er mich vor der Kälte schützte, schob ich den toten Körper eines Mannes beiseite, welcher meinen Zugang versperrt hatte. Dann zog ich mich aus meiner grausigen Behausung nach draußen in den Schnee und genoss, die Strahlen der Sonne, sie waren weder stark, noch wärmend, doch sie bewirkten einen Freude in mir, welche ich nun schon lange nicht mehr in mir Gefühlt hatte.

Ich richtete mich auf. Der Schnee der Nacht, hatte alles bedeckt, es musste viel gefallen sein. Keine Spuren waren in ihm zu erkennen. Weder meine, noch welche, die mir verraten hätten, dass in der Dunkelheit, irgendetwas auf mich gelauert hätte. Wahrscheinlich, hatten meine überreizten Nerven, mir einen Streich gespielt. Endlich war ich zuversichtlich, dass ich all das überleben konnte. Im Tageslicht konnte ich deutlich sehen, wie weit ich bereits gekommen war. Der Wald, welcher mich von dem nächsten Dorf trennte, lag in Sichtweite. In wenigen Stunden würde ich ihn erreicht haben, dann wäre ich in Sicherheit.

Erster Pestzyklus

018

Während ich so dahinschritt, pfiff der Wind immer stärker, durch die groben Lumpen die ich am Leibe trug. Der Schneefall blieb gleichmäßig, aber durch den Wind stachen die Flocken ins Gesicht, wie kleine Nadelspitzen. Notdürftig hatte ich mir einen Teil der Decke, wie einen Schal vors Gesicht gelegt und nur die Partie um die Augen freigelassen, damit ich sehen konnte wo ich hintrat. Der Wind und die Kälte waren schon genug, des Übels, da brauchte ich nicht noch zusätzlich einen Sturz, der mir die Knochen brechen würde.

Dachte ich anfangs noch, der Morgen würde aufziehen, als ich die Dämmerung sah, musste ich mich getäuscht haben, denn der Himmel wurde wieder dunkler. Nun war mein Zeitgefühl, vollkommen durcheinander und ich war mir sicher, ohnmächtig vor den Toren gelegen zu haben. Alles andere würde keinen Sinn ergeben, doch auch der Gedanke daran, dass ich nicht nur den Rest der Nacht, sondern auch noch fast den gesamten Tag dort gelegen haben soll, beruhigte mich nicht gerade. Warum war meine Kleidung dann so trocken? Hätte ich nicht erfrieren müssen, wenn ich so lange Zeit auf dem kalten Pflaster der Gasse gelegen hätte?

Alles das ergab keinen logischen Sinn für mich, und der Himmel über mir, der langsam dunkel wurde, sandte drohend unheimlich einen Wind gegen mich, der mich bis in die Seele traf. Ängstlich dachte ich daran, die Nacht nun komplett im freien verbringen zu müssen, denn in die Stadt konnte ich nicht mehr zurück, da würde ich lieber hier draußen den Kältetod sterben. Keine zehn Pferde brächten mich zurück an den Ort, an dem die Feuer nicht verbrennen und furchtbare Wesen in den Schatten lauern. Wo sich der Himmel schwarz färbt, undurchdringlicher als die finsterste Nacht.

Mein abhanden gekommenes Zeitgefühl, machte mich noch ängstlicher, unruhig und zitternd, schritt ich vorraus in die Dunkelheit. Im schwindendem Licht, konnte ich nur noch wenige Meter weit sehen. Hatte ich nicht am Anfang des Weges, hier und da einen kahlen Baum am Wegesrand gesehen? Vielleicht konnte ich dort kampieren, wenn der Stamm breit genug wäre, dass ich mich winddicht dahinter verstecken könnte. Mit weit ausgreifenden Schritten, versuchte ich schneller voran zu kommen, die Dunkelheit nahm langsam zu und es wurde schwer, selbst die Umrisse des Weges zu erkennen. Die Kälte biss nach meinem Körper, da wäre ich fast gestürzt, als meine Hüfte gegen etwas Hartes prallte.Verwundert blieb ich stehen und versuchte das Ding zu erkennen, welches mich fast zu Fall gebracht hatte.

Es musste ein Holzkarren sein, welcher mitten auf dem Wege verlassen wurde. Er war nicht sehr hoch, musste aber schwer beladen sein, denn als ich am Holz rüttelte, rührte er sich kein bischen. Vorsichtig streckte ich die Finger aus, um die Ladung zu ertasten und schreckte zurück. Nachdem ich keinen Laut, außer dem des Windes vernommen hatte fasste ich nochmals auf die Ladefläche. Die einzige Möglichkeit war, dass es sich um einen der Leichekarren handelte, so wie ich auch einen von meinem Fenster beobachten konnte. Meine tastenden Finger fühlten deutlich, die Umrisse eines menschlichen Beines, durch Stoff, der wahrscheinlich zu einer Hose gehörte. Die Hände wanderten weiter nach oben, da merkten sie, dass es tatsächlich ein ganzer Mensch war, der hier auf dem Karren lag. Nach und nach erfühlte ich noch weitere Leiber und trat ganz nah an den Wagen heran. Die Kälte musste sie gefroren haben, deshalb hatte sie der Geruch nicht verraten, etwas, was mir auch bevorstand, würde ich nicht bald etwas finden, was mich vor dem eisigen Wind schützte.

Da hatte ich eine plötzlich eine Idee, welche so einleuchtend war, dass ich mich wunderte, nicht gleich darauf gekommen zu sein. Ich ging um den Wagen herum und suchte nach den Riegeln, welche das hintere Gatter oben hielten. Als ich es geöffnet hatte, fing ich an die Leichen von der Ladefläche zu ziehen. Kein leichtes Unterfangen, doch wenigstens wurde mir etwas wärmer bei der Anstrengung. Die toten Körper plazierte ich so, dass der Bereich unter dem Wagen vor Wind geschützt wurde. Es musste schon vor längerem hier zurück gelassen worden sein, denn an dem Ort, welchen ich nun für mein Nachtlager erwählte, lag nur wenig Schnee, der darunter geweht sein musste.

Die Toten würden mein Leben retten.

Ein seltsamer Gedanke, als ich in die Kniee ging und durch die letzte verbliebene Öffnung in meine provisorische Höhle kroch. Ein Leichnam lag noch vor mir. Im liegen zerrte ich ihn, nun auch diesen Weg zu verschließen. Hoffentlich würde er nicht am Boden festfrieren, dachte ich, sonst würde ich Morgen nicht mehr herauskommen und hätte mir selbst ein Grab geschaffen, welches grausiger nicht sein konnte.

Nachdem der Eingang verschlossen war, bemerkte ich den einen oder anderen Luftzug, aber im Grunde war ich hier unten sicher. Sorgfältig versuchte ich, einen Teil meiner Bekleidung, zwischen mich und dem Erdboden des Weges zu schieben, damit mir die Kälte von unten ebenfalls nichts anhaben konnte. Nachdem ich mein Lager geschaffen hatte, erlaubte ich mir sogar, ein wenig Brot aus dem Beutel zu nehmen, bevor ich ein wenig ausruhen würde. Es war steinhart. Zwar hatte ich versucht, den Beutel möglichst nah am Körper zu tragen, damit meine Vorräte nicht einfrieren würden, aber die Zeit und Kälte hatten ihr Werk begonnen. Trotzdem konnte ich nach längerem Kauen und anfeuchten, kleine Bissen von dem Laib trennen. Kauend und lutschend versuchte ich etwas zu erkennen, doch es war so finster, dass ich noch nichteinmal, den Unterboden des Wagens erkennen konnte, der kaum eine handbreit von meinem Gesicht entfehrnt war. Ich lauschte dem Wind, der an der Kleidung der Toten zerrte und am Holz des Wagens kratzte. Wind kratzte nicht!

Mit dieser Erkenntniss riss ich meine Augen weit auf, und nun vernahm ich auch ein ganz bekanntes Knurren.

Erster Pestzyklus

014

Plötzlich war ich wieder wach, wer oder was mich geweckt hat, weiß ich nicht. Langsam hob ich den Kopf, es war wieder dunkel geworden. Durch die kleinen Kellerfenster drang kein Licht, nur dieses beunruhigende Schattenspiel, welches mir sagte, dass die Feuer immer noch nicht erloschen waren. Niemand war mehr da um es mit neuer Nahrung zu füttern, wie konnte es dann so lange weiterbrennen?

Der Keller kam mir jetzt unheimlich vor. Irgendwie hatte ich das Gefühl nicht allein hier unten zu sein. Hatte ich mich doch in dem Gedanken hingelegt, dass Niemand im Gebäude war, war ich mir dessen jetzt gar nicht mehr sicher. Irgendetwas schien dort im Dunkel zu sitzen und mich zu beobachten. Fröstelnd zog ich mir die Decke um die Schulter, als ein bedrohliches Knurren durch die Stille ging. Jedoch kam dieses, dierekt von mir. Mein Magen, hatte den ganzen Tag über kleine Portionen an Brot bekommen. Es ging mir immer noch nicht wieder gut, die Gelenke taten weh, ich hatte Krämpfe und war allgemein sehr erschöpft, aber mein Körper hatte wieder Material mit dem er arbeiten konnte. Mein Geist ebenfalls. Der Erfolg, nun doch etwas Essbares gefunden zu haben, brachte mich in Überlegeungen, die ich noch vor einem Tag abgelehnt hätte. Bereit mein Schicksal nun doch in die eigene Hand zu nehmen und nicht zu verhungern, stand ich ganz langsam auf. Die Augen kniff ich zusammen, in der Hoffnung, so besser die Schemen in der Dunkelheit ausmachen zu können.

Langsam drehte ich mich um die eigene Achse, aufmerksam in den Raum blickend. Im Rücken hatte ich nun die Treppe und zu meiner rechten war der Raum in dem ich die Lebensmittel gefunden hatte. Auf einem kleinem Tischchen hatte ich mir bereits ein Bündel geschnürt, für meinen weiteren Weg. Doch wohin eigentlich? Wohin sollte ich nun gehen? In der Stadt konnte ich nicht bleiben, hier trieben sich Dinge herum, ob real, oder nur eingebildet, die nicht gut für mich und gut für irgendjemanden waren. Dinge, die erst durch die Kälte und den Rauch zu Leben erweckt wurden. Dinge, die am Hunger der Anderen erstarken konnten und Dinge, die sich an dich heranschlichen, im Schutze der Schatten.

Solche Schatten sah ich jetzt direkt vor mir. Aus der Richtung, aus der ich durch diese kleine Tür kam, schien nun ein leichter Zug zu mir hinzuwehen. Ein Zug der vorher nicht da gewesen war. Eigentlich konnte er nur entstehen, wenn die Türe zu dem kleinen Raum mit der Luke offen war, doch ich hatte sie doch verriegelt? Es war zu Dunkel hier unten um erkennen zu können, ob sie immer noch verschlossen war. Vorsichtig trat ich einen Schritt in die Richtung, als mich ein Knurren erstarren ließ, welches nicht meinen arbeitenden Gedärmen entsprang. Ich verharrte auf der Stelle, darauf vorbereitet das gleich irgendetwas auf mich zusprang. Doch nicht geschah. Es mussten bestimmt zehn Minuten vergangen sein, in denen ich einfach nur dastand und darauf wartete, dass sich das Knurren wiederholte, oder ein anderes Geräusch, welches mir zeigte, dass ich mir das eben nicht eingebildet hatte, doch nichts. Doch einen weiteren Schritt wagte ich nicht. Wenn dort wirklich ein formloses Wesen in der Dunkelheit auf mich wartete, würde ich mich nicht freiwillig in seine Arme wagen, nicht mehr jetzt, nicht, nachdem ich mein Haus verlassen und Lebensmittel gefunden hatte. Nicht jetzt! Jetzt wollte ich leben, und dieser Stadt mit all ihren Schrecken den Rücken kehren.

Leise darauf bedacht, kein Geräusch zu verusachen ging ich rückwärts die wenigen Schritte zur Treppe. Ich griff mein Bündel mit dem Brot darin, dem Wasser und dem Fleisch, ließ die Stelle aus der ich das Knurren gehöhrt hatte jedoch nicht aus den Augen. Als ich merkte, dass ich an der untersten Stufe angekommen war, hob ich langsam einen Fuß um ihn auf dieselbe zu setzen.

Stück für Stück, erklomm ich nun, rückwärts gehend die Treppe, welche in die Küche führen musste, als geschah was geschehen musste. Eine Stufe knarrte und in der angespannten Stille war es laut, wie eine Detonation. Fast hätte ich laut aufgeschrien, als in der hintersten Ecke des Kellers ein Rumpeln einsetzte. Danach flog ich fast um die eigene Achse, nun vorwärts die Stufen hocheilend, nicht mehr bedacht in aller Stille, heimlich nach oben zu kommen. Zwei Stufen mit jedem Schritt auf einmal nehmend sprang ich mehr die Treppe hoch, als das ich lief.

Oben angekommen, warf ich mich direkt hinter der Türöffnung nach rechts. Der Boden hier oben war glitschig und einen Sturz konnte ich gerade noch vermeiden.

Das Bündel fest an meinen Leib gepresst, wartete ich nun hier, drei Schritte im Raum und heftig atmend, auf… Ja auf was eigentlich? Stille herrschte wieder im Gebäude, ich konnte nichts vernehmen, außer mein eigenes schlagendes Herz, und meinen Atem. Doch aus der Türöffnung, die zum Keller führte drang nichts. Kein Laut und auch kein Schatten. Hier oben war es heller und die Bodenfliesen mussten weiß sein. Schnell suchte ich den Boden ab, ob sich das Wesen nicht doch vielleicht wie ein Schattn nach oben gekrochen hatte und nun lautlos auf mich zufloß.

Von einem solchen Ding war nichts zu entdecken, doch wusste ich nun warum der Boden so rutschig war.